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Mittwoch, August 10, 2005

Die leidige amerikanische Suche nach dem Happy End

Wir kennen die Filme: Roxanne und Breakfast at Tiffanys. Beides sind Filme, die auf alten Geschichten beruhen. Bei Roxanne ein Drama von 1897 von Edmond Rostand, bei Breakfast at Tiffanys ein Buch von Truman Capote aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. (Wobei der wahrhafte Cyrano im Jahr 1640 gelebt haben soll.)

(Wer vor hat, die ursprünglichen Versionen zu lesen, sollte jetzt nicht weiterlesen.)

In den Hollywood Versionen der beiden Geschichten gibt es natürlich ein Happy End. Cyrano de Bergerac bekommt am Ende doch seine Roxanne, Holly Golightly springt doch aus dem Taxi und fährt nicht zu Flughafen weiter. Das kennen wir.
Was einige nicht kennen, ist das "wahre" Ende der beiden Geschichten. Denn die gehen nur bedingt gut aus. Dennoch finde ich, das die Geschichten, wie sie Capote und Rostand erdacht haben, sehr viel besser sind. Weil das Ende der jeweiligen Geschichte konsequenter ist.

In Cyrano der Bergerac spielt die Geschichte, anders als im Hollywood Film, im Krieg. Und Christian, in den Roxanne meint verliebt zu sein, stirbt. Cyrano erzählt ihr nie, dass er die Briefe geschrieben hat, aufgrund derer sie sich in Christian verliebt hat. Er will ihr die schöne Erinnerung an Christian nicht nehmen, weil er so verliebt in sie ist, dass er ihr nicht mit der Wahrheit weh tun will. Erst Jahrzehnte später, als er auf dem Sterbebett liegt und ihr Sätze aus den alten Briefen frei zitiert, merkt sie, dass er die Briefe geschrieben hat.
Insofern noch ein "gutes" Ende, weil die beiden doch irgendwie wieder zusammengefunden haben, auch wenn es zu spät war.

In Breakfast at Tiffanys gibt es kein Happy End. Nur die Sehnsucht des Ich-Erzählers (den Holly konsequent mit dem Namen ihres Bruders anspricht) nach der Liebe, die Holly aufgrund ihres unsteten Wesens nie geben konnte. Am Ende des Buches fährt sie zum Flughafen und fliegt (soweit wir wissen) nach Brasilien. Und bereits am Anfang des Buches macht uns der Erzähler klar, dass er Holly schon seit längerem nicht mehr gesehen hat. Nur hier und da mal auf einem Photo, aus z.B. Afrika.

Letztendlich ist die Geschichte im Buch eine traurige und hinterlässt einen mit einem schalen Gefühl. Denn so intensiv die Zeit mit Holly ist, so leer scheint die Zeit für den Erzähler zu sein, nachdem Holly verschwunden war.

Aber Holly musste abfliegen. Das Ende im Film wird dem flatterhaften Charakter von Holly nicht gerecht. Sie probiert alles aus, bleibt aber bei gar nichts. Sie hatte ja auch ihren Ehemann in Texas zuerst, was schon wunderte geheiratet, dann aber auch wieder verlassen. Sie hatte sich eine Filmrolle in Hollywood aufschwatzen lassen, nur um dann alles abzusagen, weil sie gerade in NY war und es dort ja so toll ist.

Und nachdem sie in NY drohte, sesshaft zu werden, ist sie eben wieder aufgebrochen und weitergezogen. Dass der Ich-Erzähler dies schmerzhaft überwinden musste ist sein Problem. Für den Charakter "Holly" war es nur richtig.

Dass Hollywood dies in dem Film so banal in ein Happy-End umwandelte, finde ich unschön. Ja, die Leute werden rausgehen und sich freuen, dass die beiden zusammengekommen sind. Aber wer das Buch kennt, weiss, dass es anders besser gewesen wäre.