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Montag, Mai 02, 2005

SpOn Watch: Europäische Digitale Bibliothek

Spiegel berichtet über eine Initiative von sechs EU Regierungen, Europas Kulturerbe zu bewahren, in dem große Bestände nationaler Bibliotheken digitalisiert werden.
Dies ist anscheinend eine Antwort auf darauf, dass Google
bereits Ende 2004 damit begonnen [hat], die Bestände der führenden englischsprachigen Universitätsbibliotheken Harvard, Stanford, Michigan State und Oxford zu digitalisieren. Google-Nutzer sollen so schon bald Zugriff auf Milliarden Buchseiten bekommen. [...] Der Präsident der französischen Nationalbibliothek, Jean-Noel Jeanneney, hatte in der Zeitung "Le Monde" erklärt, das Ende des denkenden Europas sei nahe. Das dominante Amerika zwinge dem Rest der Welt seine Sprache auf, klagte Jeanneney, um schließlich den jahrhundertealten Wissensschatz der Europäer unzugänglich zu machen. Die gigantische Digitalisierungsaktion Googles werde jungen Surfern vorgaukeln, dass auf der Welt nur noch englische Bücher existierten.
Finde ich tendenziell eine sehr sinnvolle und gute Initiative. Ich frage mich nur wieder mal, warum solcherlei Dinge in den USA schnell, effizient und Steuergelder-schonend von der Privatwirtschaft unternommen werden, in Europa aber wieder mal den Weg durch die Behörden gehen?
Meine Vorhersage: das Europäische Projekt wird zwar evtl. gründlicher durchgeführt werden, aber auch 10 mal so viel kosten und erst 2010 als schlecht funktionierende beta Version verfügbar sein.
Wenn nicht noch vorher ein Kommitee gegründet werden muss, dass die Parameter festlegt und dann einen Ausschuss bestimmt, der ein Ausschreibungsverfahren initiert, durch das ein Dienstleister aus der Privatwirtschaft gefunden wird. Dann dauerts nämlich noch länger. (Und am Ende machts dann wahrscheinlich doch Google.)